In der westlichen Vorstadt war die Schulraumnot auch durch die Eröffnung der Schule an der Elsflether Straße (Oktober 1906) nicht behoben, denn Ostern 1907 hatten die fünf unentgeltlichen Volksschulen dieses Stadtteils sieben Klassen mehr, als ihre Schulhäuser aufnehmen konnten. Sie waren in Baracken bei den Schulen an der Schleswiger Straße und an der Grenzstraße untergebracht. Da der Zuwachs an Schüler:innen seit Jahren ständig stieg (1904: 626 Schüler:innen; 1905: 981 Schüler:innen; 1906: 1183 Schüler:innen; 1907: 1177 Schüler:innen), forderte die Schuldeputation in ihrem Bericht vom Juli 1907 den Neubau einer unentgeltlichen Volksschule in der westlichen Vorstadt.
Die Deputation konnte auch schon zwei Bauplätze für die neue Schule vorschlagen, und zwar
a) den nordwestlichen Teil eines Staatsgrundstücks zwischen Bremerhavener Straße und Steffensweg, nach Abzug eines Straßenstreifens noch 9670 m2 groß, wovon aber für die Schule nur 3 800 m2 gebraucht werden.
b) ein Staatsgrundstück an der Nordstraße, 3800 m2 groß, das für die hier aufzunehmenden Schüler:innen günstiger liegt, gegen das aber wegen des benachbarten Fuhrparks Bedenken erhoben werden.
Für den Platz a) lag auch schon ein Vorplan vor, nach dem eine Schule nach dem Vorbild der Schule an der Hemelinger Straße vorgesehen war. (Die Mehrzahl der Klassen nach Südosten gelegen, Zeichensaal gemäß Antrag der Schulvorsteherkonferenz 15 m x 6,30 m im Dachgeschoss, dadurch Reserveklassenräume möglich), Kosten 243 000 Mark. Noch im Juli 1907 billigte die Bürgerschaft den Bauplan, entschied sich aber für den Bauplatz an der Nordstraße. Der Senat schloss sich dem an.
Im März 1908 wünschte die Bürgerschaft neben dem Putzbauplan noch einen Plan für einen Ziegelrohbau mit vergleichenden Kosten. Ende Oktober 1908 legte die Baudeputation den endgültigen Plan mit Baubeschreibung und Kostenanschlag vor. Nach der Empfehlung des Gesundheitsrates würde das Gebäude so ausgerichtet, dass die Mehrzahl der Klassen an der von der Straße abgewandten Ostseite liegt, einige Klassen liegen an der Westseite, der Zeichensaal nach Norden.
Raumverteilung: Kellergeschoss mit Schuldienerwohnung, Duschbad mit Umkleideräumen, Heizung mit Nebenräumen; im Erdgeschoss Vorsteher-, Lehrer-, Lehrerinnenzimmer und einige Klassenräume; im 1. und 2. Obergeschoss Klassenräume und Sammlungszimmer; im 3. Obergeschoss der Zeichensaal. Vor dem Gebäude die ebenerdige Turnhalle, daneben die Abortanlagen. Ziegelrohbau mit Schieferdach. Im unteren Flur Plattenbelag, sonst überall Linoleum. An den Korridorwänden und im Duschbad Wandfliesen 1,50 m hoch.
Kosten 295 000 Mark.
Anfang November 1908 genehmigen Senat und Bürgerschaft den Plan und bewilligen die Mittel. 1909 beantragte die Schuldeputation die Einrichtung eines Physiksaales, der nach dem im Oktober 1909 vorgelegten Plan der Baudeputation 5 300 Mark kosten soll. Die dafür erforderlichen elektrischen Leitungen wurden schon eingebaut. Senat und Bürgerschaft stimmten zu.
Im Jahresbericht für das Schuljahr 1909/10 konnte die Schuldeputation mitteilen, dass die neue unentgeltliche Schule beim Holzhafen (Nordstraße) am 1.4.1910 eröffnet wurde.
In der Schulliste, Stand 1.4.1910, erschien die Schule beim Holzhafen mit 17 Klassen. Sie war also schon am Eröffnungstage voll besetzt. Sie konnte die überzählige Klasse in einem der Reserveklassenräume unterbringen, die nach den neuen Plänen 1907 eingerichtet wurden.
Für Fenstervorhänge, die nach dem Kostenanschlag nicht vorgesehen waren, aber nicht zu entbehren waren, mussten im März 1910 1690 Mark nachbewilligt werden.
1911 musste die achtzehnte Klasse eingerichtet werden.
Seit 1913 gehörten auch 2 Abschlussklassen zum Klassenaufbau der Schule.
1917 erreichte die Schule mit 864 Schüler:innen ihre stärkste Belegung. Anfang 1919 wurde das Gebäude kurzfristig mit Heimkehrern belegt, die Klassen wurden im Schulhaus an der Hauffstraße untergebracht.
Seit Februar 1919 wurden die Turnhalle und die Klassenräume im 1.Obergeschoss von der Stadtwehr belegt, 12 Klassenräume konnte die Schule benutzen. Auf die Stadtwehr folgte die Sicherheitspolizei als Benutzer des Schulhauses, das erst ab April 1920 der Schule wieder ganz zur Verfügung stand.
Bis 1925 fiel die Schüler:innenzahl auf 600 in 18 Klassen.
Über die weitere Entwicklung der Schule kann nichts gesagt werden, weil die Deputationsberichte nichts mehr über die einzelnen Schulen aussagen und Einzelberichte der Schulen fehlen.
Das Gebäude hat den zweiten Weltkrieg überdauert, es ist noch heute das Heim einer Grundschule.
Zum 100 jährigen Jubiläum der Schule ist ein Film entstanden, in welchem u.a. ehemalige Schüler:innen der Schule von ihren Erlebnissen in der Schule berichten.
Der Film ist ein Kooperationsprojekt zwischen Studierenden des Fachbereichs III der Universität Bremen, dem Filmemacher Ralf C. Schreier, dem Kameramann Stefan Malschofsky, der Klasse 4c (Jahrgang 2009 / 2010), den Lehrerinnen Frau Kaya und Angelika Hofner, sowie Chris-Oliver Goetzki.
Viel Spaß beim Anschauen!